
LEED v5 vs. v4: Was sich für Bauherren in Deutschland ändert
Johannes Dirauf
Seit dem 30. Juni 2026 werden neue Projekte nur noch nach LEED v5 registriert. Die neue Version verlangt mehr beim Klimaschutz: Ökobilanz, Klimarisikoanalyse und ein Dekarbonisierungsplan sind jetzt Pflicht. Für Projekte in Deutschland bringt sie aber auch echte Erleichterungen, allen voran den Energienachweis nach GEG. Hier sind die wichtigsten Unterschiede aus unserer Projektpraxis.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Projekte: nur noch LEED v5, seit 30.06.2026
- Laufende v4-Projekte: Abschluss bis 30.06.2032 möglich
- Neu Pflicht: Ökobilanz, Klimarisikoanalyse, CO₂-Assessment, Energie- und Wasserzähler
- Erleichterung: Energieeffizienz nach GEG statt ASHRAE-Simulation, Anrechnung von EU-Taxonomie-Nachweisen
- Platin: erstmals eigene Mindestanforderungen, unter anderem keine Verbrennung und 100 % erneuerbare Energie
Die Fristen
| Was | Datum |
|---|---|
| Letzte Registrierung nach LEED v4 für Neubauten | 30.06.2026 |
| Abschluss laufender v4-Projekte | bis 30.06.2032, in Sonderfällen länger |
| Upgrade von v4 auf v5 | jederzeit möglich |
Neue Mindestanforderungen in LEED v5
- Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse; das Verfahren nach EU-Taxonomie ist zulässig
- Human Impact Assessment
- CO₂-Assessment; das Tool stellt LEED zur Verfügung
- Ökobilanz (LCA) ist Pflicht, mindestens für die Tragkonstruktion
- Rauchfreies Gebäude mit Rauchverbot im Umkreis von 7,5 m um alle Öffnungen
- Baustellenschutz erweitert auf Innenraum und TGA, also Schutz vor Staub und Nässe
- Zentrale Müllsammelstelle inklusive Biomüll
- Zählung von Energie und Wasser auf Gebäudeebene, Verbrauchsdaten werden 5 Jahre an das USGBC gemeldet
- Lüftung: derzeit ist nur ASHRAE 62.1-2022 zugelassen, natürliche Lüftung wird dadurch fast unmöglich
Was einfacher wird
- Die Energieeffizienz kann nach GEG nachgewiesen werden statt per Simulation nach ASHRAE 90.1. Das spart beim Beraterhonorar rund 15.000 €.
- Nachweise der EU-Taxonomie zählen für einzelne Mindestanforderungen und Credits.
- Bei der Wassereinsparung gibt es mehr Wege zu Punkten, Leckageortung bringt einen Zusatzpunkt.
Was schwieriger wird
- Eine Ökobilanz nach Level(s) bringt nicht mehr automatisch 3 bis 4 Punkte. Punkte gibt es jetzt nach der tatsächlichen CO₂-Einsparung.
- Platin hat erstmals eigene Mindestanforderungen: keine Beheizung durch Verbrennung (auch nicht über Fernwärme), eine Energieeffizienz mindestens 24 % besser als ASHRAE 90.1-2019 oder 30 % besser als GEG, 100 % erneuerbare Energie und mindestens 20 % weniger CO₂ in der Ökobilanz.
- Elektrifizierung wird stark belohnt: Bis zu 5 Punkte gibt es, wenn auf dem Grundstück nichts verbrannt wird.
Was bei LEED auch in v5 nicht verlangt wird
Im Vergleich zur DGNB bleibt LEED schlank. Auch in v5 gibt es kein Rückbaukonzept, keine Lebenszykluskostenrechnung und keinen Gebäuderessourcenpass. Nachhaltiges Holz ist keine Pflicht und bringt nur 1 bis 2 Punkte. Schadstoffarme Materialien bringen nur 3 Punkte und lohnen sich in der Praxis fast nur bei Platin. Wichtig für Wohnungsbauer: LEED ist auch in v5 nicht für das QNG zugelassen und damit kein Weg zur KfW-Förderung.
LEED v5 oder DGNB?
LEED bewertet vor allem messbare Ergebnisse am Gebäude, die DGNB zusätzlich die Prozesse in Planung und Bau. Deshalb können Sie bei LEED auch in der Ausführungsplanung (LP5) noch bequem einsteigen, bei der DGNB wird das schwieriger. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie auf unserer Seite „DGNB, LEED, BREEAM oder QNG?“.
Unsere Einschätzung
Für Projekte in Deutschland ist LEED v5 oft gut machbar, weil GEG- und Taxonomie-Nachweise jetzt zählen. Kritisch sind Lüftung, die Platin-Anforderungen und die Akustik. Wer zwischen v4 und v5 entscheidet oder ein Upgrade plant, sollte das früh im Pre-Check klären. Wir sind seit 2012 LEED AP, haben über 120 Energiesimulationen erstellt und erstellen alle Nachweise im eigenen Haus.
Häufige Fragen zu LEED v5
Ab wann gilt LEED v5?
Seit dem 30. Juni 2026 können neue Projekte nur noch nach LEED v5 registriert werden.
Kann ich ein LEED-v4-Projekt noch abschließen?
Ja. Bereits registrierte v4-Projekte haben bis zum 30. Juni 2032 Zeit für den Abschluss, in Sonderfällen auch länger.
Kann ich von LEED v4 auf v5 wechseln?
Ja, ein Upgrade ist jederzeit möglich. Ob es sich lohnt, hängt vor allem von Energiekonzept, Lüftung und Zielstufe ab.
Reicht in LEED v5 der GEG-Nachweis für die Energieeffizienz?
Ja, in LEED v5 kann die Energieeffizienz nach GEG nachgewiesen werden. Die aufwändige Simulation nach ASHRAE 90.1 ist dann nicht mehr nötig, das spart rund 15.000 € Beraterhonorar.
Ist LEED v5 für das QNG und die KfW-Förderung zugelassen?
Nein. Für das QNG brauchen Sie ein dafür registriertes System, bei uns DGNB oder BNK/BNG.
Lassen Sie Ihr Projekt unverbindlich prüfen.
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